Herzensangelegenheit

Wie bist du zu Herzensangelegenheit gekommen?

Mit 26, also vor 6 Jahren, war ich an einem Punkt angekommen, an dem ich mich erstmals mit meiner Gesundheit auseinandersetzen musste. Bis dahin habe ich im Grunde sehr unbewusst gelebt und bin ausschließlich meinen Gewohnheiten gefolgt. Ich dachte einfach, dass alles so ist wie es ist und ich sowieso keinen Einfluss darauf nehmen kann. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch keinen Grund irgendetwas zu hinterfragen, es war ja „alles gut.“

Als dann nicht mehr „alles gut“ war, hatte ich glücklicherweise großes Interesse an meiner Gesundheit. Aus dem Interesse wurde eine Leidenschaft, spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem mir klar wurde, dass ich sehr wohl Einfluss nehmen kann und welche Kraft unsere gewohnten Denkmuster haben, wenn wir uns ihnen nicht bewusst sind. Ich hatte schon immer einen Hang zum Grübeln und Nachdenken und leider richten sich die meisten unserer Gedanken nicht auf das Positive. Wenn der Geist zur Sorgenmaschine wird – macht dich das früher oder später wirklich krank. Das zu verstehen, hat für mich alles verändert.

Dank meiner Leidenschaft für die mentale Gesundheit habe ich mich dann mit 27, nach dem BWL-Studium, gewagt, bei „Null“ anzufangen und Gesundheitsmanagement studiert. Mit diesem Studium habe ich zum ersten Mal in meinem Leben etwas aus tiefster persönlicher Überzeugung versucht und durchgezogen.

Während des dualen Studiums an der Hochschule habe ich eine Ausbildung im Betrieb gemacht. Über drei Jahre war ich in einem Gesundheitszentrum, in dem es um individuelle Ernährungsberatung ging. Ich habe in dieser Zeit hunderte von Menschen zum Thema Ernährung beraten und kam bei 99 % der Menschen immer wieder an den Punkt, an dem mir klar wurde, dass das „Problem“ nicht in erster Linie die Ernährung ist (ein Wissensdefizit über gesunde Ernährung ist heutzutage unmöglich), sondern vielmehr die eigene Selbstwirksamkeit und der falsche Umgang mit Stress. Wenn der Geist zur Sorgenmaschine wird, nützt auch die beste Ernährung nichts. Diese Erfahrung habe ich schließlich selbst einige Jahre zuvor gemacht und hatte somit das Bedürfnis, in meinen Beratungen über die Ernährung hinaus zu forschen, um wirklich etwas zu verändern.

Also habe ich mich der Psychologie des Gesundheitsverhaltens gewidmet und festgestellt, dass es den meisten Teilnehmer*innen so ging, wie es mir damals ging. Das „Problem“ in unserer heutigen Zeit sind nicht Wissensdefizite in bestimmten Themen, sondern der fehlende Bezug zu sich selbst.

Ich hatte das Bedürfnis, mehr aus diesem Thema zu machen, mich weiterzuentwickeln und neue Ansätze auszuprobieren. Allerdings stand in den Unternehmen, in denen ich zuvor arbeitete, die Wirtschaftlichkeit immer an erster Stelle, was mit meiner Vorstellung der Gesundheitsförderung leider nicht harmonisierte. Ich wollte weg von Standards und oberflächlichen Beratungen, hin zur ehrlichen Bewusstseinsschaffung.

Als ich an einem Abend verheult zu Hause saß und meinem Freund erzählte, was ich anders machen würde, wenn ich meine eigene Chefin wäre, sagte er: „Ok, dann brauchst du nur noch einen Namen. Wie würdest du all das, was du vor hast, nennen?“

Mein Verstand riet mir irgendwas mit „Gesund/Health/Balance/Soul“ – mein Bauch sagte: Herzensangelegenheit.

Wolltest du immer schon selbstständig sein?

Es mag absurd klingen, aber ich habe mir nie „Stress“ mit meinem Werdegang gemacht. Bis zum Studium in Gesundheitsmanagement hatte ich nie ein klares Ziel vor Augen, für das ich verbissen meine Freizeit mit dem Lernen verbracht hätte und das war OK für mich, denn was ich immer schon hatte, war der Glaube daran, dass ich meinen eigenen Weg gehen werde – wie auch immer der aussehen würde. Daran habe ich schon sehr gelassen geglaubt, als ich mit 17 die mündliche Prüfung in Mathe nur mit Ach und Krach bestanden habe. Wirklich angefangen dafür zu „arbeiten“ habe ich erst, als ich wusste, wofür ich brenne.

Als introvertierter Mensch genieße ich es ich sehr, nicht in Gruppen arbeiten zu müssen und mich nicht permanent vom Außen beeinflussen zu lassen. Ich lege sehr viel Wert auf meine Inhalte, die Gestaltung und die Umsetzung. Eigentlich auf alles, was ich im Rahmen meiner Herzensangelegenheit mache. Mit diesen Gedanken musst du auch erst mal klar kommen, schließlich lernst du in der Schule eher das Gegenteil – nämlich dich anzupassen. Ich habe mich viel zu lange schlecht dafür gefühlt, dass ich die wirklich wichtigen Dinge am liebsten „alleine“ in die Hand nehme. Jetzt mache ich es endlich – von Herzen.


Was bietest du mit Herzensangelegenheit an?

Nach dem Studium habe ich weitere Ausbildungen zur Achtsamkeits- und Resilienztrainerin, Meditationslehrerin und Trainerin für Stressbewältigung gemacht. Für mich gehören diese Bereiche unbedingt zusammen, wenn es darum geht, die eigene Selbstwirksamkeit zu stärken und zu verstehen, dass Gesundheit im Kopf beginnt. Alles beginnt mit deiner Denkweise und auf die kannst du Einfluss nehmen! Auch das sagt einem ja niemand in der Schule… wenn wir uns damit nicht bewusst beschäftigen, steigt die Gefahr, dass wir uns unseren Gedanken passiv ausliefern und da sich die Gedanken in der Regel mit Sorgen, Ängsten und Zweifeln beschäftigen, kannst du dir vorstellen wohin dieses Ausliefern führt.

Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, ein Bewusstsein zu schaffen und dadurch Menschen wirklich zu stärken. Ich möchte keine Standard-Pläne und langweilige Stressmodelle austeilen und niemandem die Welt erklären, sondern jede/n einzelne/n meiner Klient*innen zu sich selbst führen.

Die Fähigkeit der Achtsamkeit wohnt uns von klein auf inne, doch in unserer Gesellschaft, in der es immer mehr um Schnelligkeit, Leistungsdruck und Oberflächlichkeiten geht, verlieren wir diese Fähigkeit. Wir orientieren uns nur noch am Außen und vergessen dabei uns selbst. Wir vergessen auch, dass wir unsere Reaktion am Ende immer selbst wählen können und unsere Reaktionen entscheiden, wie wir leben.

Ich biete heute verschiedene Trainings an, die sich mittlerweile bewährt haben. Im Resilienztraining geht es darum, sich vor allem seinen eigenen Fähigkeiten bewusst zu werden, wieder in Kontakt mit sich selbst zu treten und zu lernen, aus negativen Erlebnissen etwas Positives zu gewinnen, statt daran zu zerbrechen.

In meinem Achtsamkeitstraining geht vor allem darum, zu verstehen, was Achtsamkeit wirklich ist. Wenn man in der Buchhandlung steht wirken all die bunten und schönen Achtsamkeitsratgeber und Magazine sehr entspannend und „wohlig“ auf uns. Oberflächlich betrachtet hat man das Gefühl, Achtsamkeit sei die pure Entspannung und man schwebt auf rosa Wolken. Dem ist nicht so. In erster Linie ist Achtsamkeit höchste Konzentration. Es geht um Präsenz – nicht um Entspannung. Mir ist es ein inneres Anliegen, auch dafür ein Bewusstsein zu schaffen, denn ich weiß, was passieren kann, wenn man den wahren Kern verstanden hat.

In meinen ZENbo Kursen geht es um Achtsamkeit und Meditation in Bewegung und ich biete Stressbewältigungstrainings und Meditationskurse für Erwachsene und Kinder an. In welcher Form, in welchem Zeitraum und mit welcher Intensität – das passe ich meinen Klient*innen an. Das alles mache ich persönlich live und mittlerweile auch online für die Menschen, die nicht aus der Umgebung kommen. Mir ist es wichtig, dass ich mit diesen Themen unterschiedliche Menschen erreiche. Niemand benötigt irgendwelche „spirituellen oder religiösen Voraussetzungen“ und es geht auch nicht um Dogmen und Lehren. Es geht einzig und allein darum, mitfühlend in Kontakt mit sich selbst zu treten.

Da ich aus dem betrieblichen Gesundheitsmanagement komme, arbeite ich freiberuflich auch für verschiedene Unternehmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Dazu zählen mehrwöchige Kurse, Workshops und Vorträge. Mein Steckenpferd ist die „Business Meditation“. Zu meinen privaten Kursen kommen die Menschen in der Regel aus eigener Überzeugung. Mit der Business Meditation möchte ich vor allem ein Bewusstsein bei denjenigen schaffen, die gegenüber der Achtsamkeit und Meditation noch skeptisch sind und nicht wissen, welche Auswirkungen die Praxis auf die Denk- und Lebensweise hat.


Wie geht es dir mit der aktuellen Krise?

Abgesehen von dem Leid, das so viele Menschen (gesundheitlich und wirtschaftlich) ertragen müssen, empfinde ich diese Krise als wertvoll. Im Grunde lehrt sie uns, unsere Gewohnheiten zu durchbrechen, flexibel zu werden und uns in Akzeptanz zu üben. Abgesehen von der Entschleunigung, die unsere Welt dringend benötigt.

Außerdem bin ich nun mal Resilienztrainerin und das, was ich meinen Klient*innen beibringe, darf ich nun selbst auch wieder anwenden. Die Krise ist entweder eine Krise, an der wir zerbrechen, oder eine Herausforderung, durch die wir uns verändern und an der wir wachsen können. Ich habe mich für Veränderung und „inneren Wachstum“ entschieden und arbeite gerade an einem neuen 4-Wochen-Kurs „Rock ‘N‘ Soul“ – für den ich mir ohne die Krise womöglich erst später Zeit freigeschaufelt hätte.

Wer mehr über meine Angebote erfahren möchte, kann sich gerne auf meiner Website informieren: https://www.michellethonet.com


Gelingt es dir selbst immer achtsam durchs Leben zu gehen?

Nein. Und das ist auch nicht Ziel der Achtsamkeit. Man kann Achtsamkeit nur üben. Wer 24/7 achtsam durchs Leben geht, hat die Achtsamkeit entweder nicht verstanden oder die Erleuchtung erfahren und das können nur einzelne spirituelle Meister von sich behaupten.

Achtsamkeit bedeutet zunächst, bewusst, präsent und wertungsfrei im Moment zu sein – frei von gestern und frei von morgen. Wie ich am Anfang schon gesagt habe, war mein größter Stressfaktor das ständige Grübeln und Nachdenken über die Vergangenheit oder die Zukunft. Immer mitgerissen von Ängsten, Sorgen und Zweifeln. Das ist die Natur unseres Geistes und wenn wir es nicht besser wissen, können wir dieser Logik des Denkens niemals ausweichen.

In der Achtsamkeit geht es aber nicht darum, dieses Denken abzustellen. Das würde nie funktionieren und das ist auch gut so. Es macht schon Sinn, dass wir über die Vergangenheit nachdenken und Erfahrungen speichern können und es macht Sinn, die Zukunft zu planen und nicht blauäugig in den Tag hineinzuleben. Allerdings sind wir sehr gut darin, uns von Gedanken mitreißen zu lassen und alles, was wir wahrnehmen zu bewerten und in eine Schublade zu stecken. Wenn wir merken, dass wir aus diesem Gedankenstrom nicht mehr rauskommen und keine innere Ruhe mehr finden, ist es höchste Zeit Pause zu drücken und von der Rolle des „Mitgerissenen“ in die Rolle des „Beobachters“ zu kommen. Es ist nichts als Übung. Die Gedanken schweifen ab und du holst deine Aufmerksamkeit zurück in den Moment. Die Gedanken schweifen wieder ab und du holst deine Aufmerksamkeit erneut zurück in den Moment… wie ein Schmetterling, der nie lange Zeit auf einer Blume sitzt, sondern immer wieder abhebt und zurückkommt. Das Üben ist der wahre Kern der Achtsamkeit. Es gibt kein Ziel, an dem du ankommen und ausschließlich achtsam sein kannst.

Schafft man es, für einen Augenblick lediglich zu beobachten, was da oben im Kopf so abgeht, ohne sich davon (negativ) beeinflussen zu lassen, führt man seinen Geist zu Ruhe und Klarblick und dadurch stellt sich automatisch das Gefühl der Entspanntheit und Gelassenheit ein. Aus diesem Grund werden Achtsamkeit und Meditation häufig mit Entspannung assoziiert, in Wirklichkeit ist sie aber nur ein (wertvoller) Nebeneffekt.

Wie bei allen anderen „Übungssachen“ wird man auch durch die Achtsamkeitspraxis immer besser. Irgendwann merkst du, dass du eine andere innere Haltung annimmst, gelassener bist und mit mehr Vertrauen und Mitgefühl lebst und arbeitest. Du lernst dich durch die Achtsamkeit außerdem zu konzentrieren und mehr Konzentration steigert die Lebensqualität. Das ist es, wofür es sich lohnt, Achtsamkeit zu üben.


Wie kann man dich und deine Arbeit momentan unterstützen?

Wer sich nach innerer Ruhe, Selbstwirksamkeit und persönlichem Wachstum sehnt oder diese wichtigen Themen in sein Unternehmen integrieren möchte, den lade ich dazu ein, diesen Schritt jetzt zu wagen. Und mit Wachstum meine ich nicht: „Wie werde ich endlich finanziell erfolgreich“ oder „Wie bekomme ich mehr Follower“, sondern eher: „Ich weiß das Leben zu schätzen und kann selbst die Kontrolle übernehmen. Ob es mir gut geht oder nicht, entscheide ich am Ende selbst.“

Ob es das Resilienztraining, ein mehrwöchiges Achtsamkeitscoaching oder eine Meditationssession ist, es ist mir immer eine Herzensangelegenheit.




Das „Problem“ in unserer heutigen Zeit sind nicht Wissensdefizite in bestimmten Themen, sondern der fehlende Bezug zu sich selbst.

Michelle


Wenn der Geist zur Sorgenmaschine wird – macht dich das früher oder später wirklich krank. Das zu verstehen, hat für mich alles verändert.

Michelle